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Die Stadt der Zukunft – Gespräch mit dem Zukunftsforscher Matthias Horx

Im Jahr 2050 werden siebzig Prozent aller Menschen in Städten leben, prognostiziert der Zukunftsforscher Matthias Horx. Im Gespräch mit Lilia Glanzmann erklärt er, wie die Stadt der Zukunft aussieht, welche neuen Herausforderungen entstehen – aber auch, welche Chancen sich für Urbanität und Regionalität bieten.
Copyright: Klaus Vyhnalek
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In der Stadt lebt man zu seiner Unterhaltung, auf dem Lande zur Unterhaltung der anderen, soll Oscar Wilde einst gesagt haben. Mit diesem Zitat untermalt Zukunftsforscher Matthias Horx seine These «Creative Cities – die Zukunft der Städte». Vor fast zwanzig Jahren gründete er sein Zukunftsinstitut mit Hauptsitz in Frankfurt am Main.

Neue Ideen für die Stadt der Zukunft

«2050 werden 70 Prozent aller Menschen in Städten leben», sagt Matthias Horx. Was er begrüsst: Wenn die Stadt als ganzheitlicher Lebensraum wiedergefunden werde, könnte das helfen, die ökologischen Probleme des 21. Jahrhunderts zu lösen.

Bis heute prägen die Steinwüsten von São Paulo, Manila oder Kalkutta unser negatives Bild grosser Städte. «Doch auch dort findet urbanes Design statt», erklärt Matthias Horx. In den Grossstädten der Schwellenländer experimentiere eine frische Generation von global ausgebildeten Stadtplanern mit neuen Methoden öko-urbaner Transformation.

Die Natur kehrt zurück

Doch wie zukunftsfähig entwickeln sich unsere Städte? Matthias Horx spricht von wachsenden Metropolen wie Schanghai, stagnierenden wie Tokio, wuchernden wie Lagos und vergehenden Orten wie Detroit. Dabei relativiert er das Bild von China als Umweltsünder: «Dort werden jährlich so viele Windfarmen und Solaranlagen eröffnet wie in den USA und Europa zusammen.» Und dort verdienen Landschaftsarchitekten heute bereits eineinhalbmal so viel wie Stadtplaner und Architekten.

Während in Asien und den arabischen Ländern Ansätze für die grüne Stadt der Zukunft erkennbar werden, erfinden sich die westlichen Städte neu. Die scharfen Gegensätze zwischen Stadt und Land verschwinden. Die Natur kehrt zurück in die Metropolen, die jahrzehntelang durch Landflucht gewachsen sind.

MyBonviva-Singapore

Bürger gestalten die City

So entstehen urbane Dörfer in der Stadt: Autobahnen werden rückgebaut, Grüngürtel geschlagen, alte Fabriken als Kultur- und Forschungszentren genutzt. «Dabei erobern die Bürger öffentliche Räume zurück, wie es die skandinavischen Städte mit ihrer Fahrradkultur vormachen. Und es entstehen neue Wohn- und Lebensformen, in denen Arbeit, Leben und Kultur wieder näher rücken», beschreibt Zukunftsforscher Matthias Horx.

MyBonviva-Highlinepark

Die Schweiz in zwanzig Jahren

Und wie wird die Schweiz in zwanzig Jahren aussehen? «Gar nicht viel anders als heute», meint Matthias Horx. Die ganze Schweiz sei ja heute schon als eine grössere, dörfliche Stadt anzusehen und funktioniere ziemlich gut. Verdichtetes, ästhetisch-ökologisches Bauen erlebt eine Renaissance. Gerade die alpinen Räume bieten dafür eine Bühne: «Auch wenn es zwei Millionen Neuschweizer geben sollte, kann man mit intelligenten Bau- und Verkehrssystemen die ohnehin hohe Lebensqualität noch steigern.»

Matthias Horx empfiehlt:

Mehr zum Megatrend Urbanisierung lesen Sie im Dossier des Zukunftsinstituts

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